Eilmitteilung zur makroökonomischen Lage

Basel, 19.03.2020

«Il faut raison garder»

Die Aussichten für das weltweite Wachstum werden zumindest für die erste Hälfte des Jahres 2020 schwierig sein. Das Coronavirus wurde zu einer Pandemie erklärt, und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession wächst. Negativwachstum für mindestens zwei Quartale in Folge ist beinahe gewiss, die Welt wird in eine Rezession geraten. Der ökonomische Schock durch das Virus könnte ähnliche Auswirkungen haben wie die Finanzkrise von 2008. Die wichtigsten Wirtschaftskräfte intensivieren ihre Anstrengungen, die Folgen der Krankheit zu begrenzen. Die Zentralbanken – Federal Reserve, EZB, SNB sowie die Bank of England – haben mit einer sehr grosszügigen Geldpolitik reagiert. Etliche Staaten haben ihre Bereitschaft signalisiert, die Selbstverpflichtung auf ausgeglichene Haushalte mit grosser Flexibilität zu handhaben, und zugesichert, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um eine globale Antwort zu gewährleisten.
Bislang konnten die Sorgen über einen Rückgang der Weltwirtschaft durch die Interventionen der Zentralbanken nicht zerstreut werden. Die negative Reaktion der Investoren war erwartet worden, das Vertrauen sank im aktuellen Monat auf das niedrigste Niveau seit 10 Jahren. Die Märkte werden sich erst beruhigen, wenn sich die Ausbreitung der Krankheit verlangsamt und die Zahl der Todesopfer zurückgeht. Jeder sucht nach ersten Anzeichen dafür, dass es Europa und den USA gelingen wird, die Krise durchzustehen.
Eine erhebliche Abschwächung aller Volkswirtschaften ist wahrscheinlich unvermeidbar, wenn auch nur kurzfristig. Die Furcht vor einer Depression und Liquiditätsmangel ist stark übertrieben. Die Zufuhr von Billionen Dollar in das Finanzsystem, das Paket von Lockerungsmassnahmen, Programme des Quantitative Easing – all dies wird sich mittelfristig positiv auf die Wirtschaften und die Märkte auswirken. Wir sind zuversichtlich, dass durch die Flexibilität der Zentralbanken Verwerfungen wirksam verhindert werden.
Der Markt wird weiterhin unter Druck stehen, und wahrscheinlich ist der derzeitige freie Fall noch nicht ausgestanden. Doch die vielen Konjunkturmassnahmen, die in den letzten Tagen getroffen wurden, werden positivere Perspektiven für die Wirtschaft, die Märkte sowie die Portfolios unserer Kundinnen und Kunden mit sich bringen.

Luiz Pinto-Coelho

Vierteljährliches Wirtschaftliches Umfeld und Aussichten

Basel, Q2-2020 (April 2020)

Schweiz

Das Wachstum in der Schweiz wird in der ersten Hälfte des Jahres 2020 stark zurückgehen. Eine deutliche Abnahme der Nachfrage aus dem Ausland wird sich drastisch auf die Wirtschaft auswirken: Der Einbruch der deutschen Industrieproduktion hat negative Folgen für ganz Europa und die Schweiz. Anlass zur Sorge gibt weiterhin die Stärke des Schweizer Franken, deren Auswirkungen die SNB abzumildern versucht. Die Hauptsorge ist das Coronavirus, das zu einer weltweiten Pandemie erklärt wurde.

USA

Die amerikanische Wirtschaft wird in den ersten beiden Quartalen 2020 stark schrumpfen. Die Konsumentwicklung lässt nach, die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert sich rapide, und auch die Sparquote verbessert sich nicht. Die Preise auf dem Immobilienmarkt sind stabil, doch Investitionen in Wohneigentum werden zurückgehen. Die kurzfristigen Zinssätze werden auf sehr niedrigem Niveau bleiben, die Wachstumsprognosen sind sehr pessimistisch. Der Unternehmensbereich steht unter Druck, die Erträge werden voraussichtlich einbrechen. Exportorientierte Unternehmen werden unter dem nachlassenden Wachstum im europäischen Raum leiden. Dieses Szenario ist extrem negativ, doch die Kombination der umfangreichen fiskalischen und monetären Notfallmassnahmen sollte die wirtschaftlichen Probleme mildern und eine nachhaltige Erholung in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 ermöglichen.

 

Europa

Die Industrieproduktion auf dem Kontinent sinkt. Die Wachstumsraten werden fallen, die meisten europäischen Länder haben weiterhin Schwierigkeiten mit der Finanzierung ihrer Staatsschulden. In Deutschland ist das Beschäftigungsbarometer um einen Rekordwert gefallen, und Industriebetriebe planen den Abbau von Personal. Die rückläufigen Exporte und Dienstleistungen in Frankreich, Italien und Spanien verursachen enormen Druck auf die Regierungen, verstärkte fiskalpolitische Anreize zu bieten. Die Europäische Zentralbank hat ihre Bereitschaft zu unbegrenzten Aktionen deutlich gemacht, die Zeit des Quantitative Easing wird längerfristig fortbestehen. Die Zinssätze werden auf sehr niedrigem Niveau bleiben. In Grossbritannien hat die Bank of England eine neue geldpolitische Strategie umgesetzt, um die Massnahmen des Landes gegen die Pandemie zu finanzieren.

Asien

Die japanische Regierung bemüht sich, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, während die Zentralbank weiterhin an ihrer Politik der Negativzinsen festhält, ihre Anleihenkäufe erneut ausweitet, und Obligationen und Schatzscheine aufkauft. Die Staatsverschuldung befindet sich bereits auf sehr hohem Niveau. Die Wirtschaft stockt, der private Konsum und öffentliche Investitionen wachsen langsamer. Der sehr kompetitive Yen steigert den Pessimismus der Unternehmen. In China fallen die Exporte stärker als erwartet. Die Wirtschaft und die Binnennachfrage bleiben unter grossem Druck. In Indien setzt die neue Regierung ihre Bemühungen zur Wachstumsförderung fort.

Währungen

CHFStabil aufgrund seiner Rolle als sichere Anlagewährung. Die SNB wird den Verkauf von Schweizer Franken fortsetzen, um eine weitere Aufwertung zu verhindern.
USDVolatil, mögliche Schwächung
EUROVolatil, mögliche Stärkung
GBPSchwach
JPYWird stabil bleiben; bei Bankinterventionen erneute Abschwächung wahrscheinlich.
GoldStark, begünstigt durch die anhaltenden wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten.
ÖlSchwach

Finanzmärkte

SchweizEuropaGrossbritannienUSAJapan
Zinssätzeniedrigniedrigniedrigniedrigniedrig
Anleihenstabilstabilstabilstabilstabil
Aktienmärktevolatilvolatilvolatilvolatilvolatil

 

Die vorstehende Kommentierung des wirtschaftlichen Umfelds und Ausblicks ist weder eine Kauf- noch eine Anlageempfehlung. Sie ist nicht das Ergebnis einer Finanzanalyse und untersteht daher nicht den „Richtlinien zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse“ der Schweizerischen Bankiervereinigung.