Wirtschaftliches Umfeld und Aussichten

Basel, Q4-2019 (Oktober 2019)

Schweiz

Die Schweizer Wirtschaft wird sich in diesem Jahr wahrscheinlich abschwächen, das Bruttoinlandprodukt wird voraussichtlich um 1,2% wachsen, sich im Jahr 2020 jedoch leicht erholen. Die schwache Nachfrage aus dem Ausland wird die Wirtschaft weiter beeinträchtigen: Der Abschwung der deutschen Industrieproduktion schwächt auch das Wachstum in Europa und in der Schweiz. Die Intensivierung der globalen Handelsspannungen und der Störfaktor Brexit könnten die Wirtschaft ebenfalls negativ beeinflussen. Anlass zur Sorge gibt weiterhin die Stärke des Schweizer Franken, deren Auswirkungen die SNB abzumildern versucht. Ebenfalls Sorgen bereiten der Immobiliensektor und die Hypothekenkredite.

USA

Die amerikanische Wirtschaft wird im vierten Quartal 2019 wahrscheinlich stabil bleiben. Die Konsumentwicklung bleibt positiv, die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist stabil, und die Sparquote steigt weiter. Die Preise auf dem Immobilienmarkt sind stabil, es besteht weiterhin grosses Interesse für Investitionen in Wohneigentum. Die kurzfristigen Zinssätze könnten 2019 sogar noch weiter sinken, die Wachstumsprognosen sind inzwischen zurückhaltender. Der Unternehmensbereich ist weiterhin relativ wettbewerbsfähig und die Erträge bleiben stabil. Exportorientierte Unternehmen werden zunehmend vom geringeren Wachstum im europäischen Raum betroffen sein. Zwar überwiegen in diesem Szenario die positiven Faktoren, doch könnten sich die Vorstellungen der Regierung in Bezug auf einige innenpolitische Fragen sowie den Nahen und Fernen Osten negativ auf das Wachstum und die Märkte auswirken. Trotz einiger Erfolge bei den Verhandlungen zwischen den USA und China sollten die Auswirkungen des andauernden Handelskrieges nicht unterschätzt werden.

Europa

Die Industrieproduktion auf dem Kontinent hat sich leicht abgeschwächt. Die Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes der europäischen Länder steigen nicht. Einige davon haben weiterhin grosse Schwierigkeiten mit der Finanzierung ihrer Staatsschulden. In Deutschland könnte es 2019 ein Nullwachstum geben, da die Industrieproduktion weiter rückläufig ist. Die nachlassenden Exporte und Dienstleistungen erhöhen den Druck auf die Regierung zu fiskalpolitischen Anreizen. Die Europäische Zentralbank stellt ihre Geldpolitik auf den Prüfstand, die Zeit des Quantitative Easing hat sich als kurzlebig erwiesen. Das schwächere Wirtschaftswachstum auf dem Kontinent wird es den Zentralbanken erlauben, die Zinssätze auf niedrigem Niveau zu belassen – die Märkte erwarten nun eine grosszügigere Geldpolitik. Die Industrieproduktion ist schwach, die Inflation verbleibt auf niedrigem Stand. In Grossbritannien könnte die Bank of England gezwungen sein, eine neue geldpolitische Strategie für die Zeit nach dem Brexit zu erwägen. Der komplexe Verhandlungsprozess wird sich bis ins Jahr 2019 erstrecken. Das Urteil des Supreme Court, wonach der Ratschlag des Premierministers an die Queen, das Parlament pausieren zu lassen, rechtswidrig war, wird den weiteren Verlauf des Brexit prägen; dass Grossbritannien die EU ohne Austrittsabkommen verlässt, ist damit unwahrscheinlicher geworden.

Asien

Die japanische Regierung bemüht sich, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, während die Zentralbank weiterhin an ihrer Politik der Negativzinsen festhält, ihre Anleihenkäufe erneut ausweitet, und Obligationen und Schatzscheine aufkauft. Die Staatsverschuldung befindet sich bereits auf sehr hohem Niveau. Die Wirtschaft stockt, der private Konsum und öffentliche Investitionen wachsen langsamer. Der schwache Yen mildert den Pessimismus der Unternehmen. In China haben sich die Exporte weniger stark als erwartet entwickelt. Die Wirtschaft und die Binnennachfrage bleiben stabil. In Indien setzt die neue Regierung ihre Bemühungen zur Wachstumsförderung fort.

Währungen

CHFStabil aufgrund seiner Rolle als sichere Anlagewährung. Die SNB wird den Verkauf von Schweizer Franken fortsetzen, um eine weitere Aufwertung zu verhindern.
USDStark.
EUROMögliche Abschwächung.
GBPVolatil.
JPYWird stabil bleiben; bei weiteren Interventionen der Zentralbank erneute Abschwächung wahrscheinlich.
GoldErholung aufgrund anhaltender wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten.
ÖlVolatil.

Finanzmärkte

  Schweiz Europa Grossbritannien USA Japan
Zinssätzeniedrigniedrigniedrigniedrigniedrig
Anleihenstabilstabilstabilstabilstabil
Aktienmärktevolatilvolatilvolatilvolatilvolatil

 

Die vorstehende Kommentierung des wirtschaftlichen Umfelds und Ausblicks ist weder eine Kauf- noch eine Anlageempfehlung. Sie ist nicht das Ergebnis einer Finanzanalyse und untersteht daher nicht den „Richtlinien zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse“ der Schweizerischen Bankiervereinigung.